Als die Bilder schweben lernten

Wie die Steadicam das Kino revolutionierte

Erinnerst Du Dich an die legendäre Szene im Boxer-Film „Roxky“, in der Sylvester Stallone die riesige Treppe zum Rathaus in Philadelphia hinauf rennt, dicht gefolgt von einer Kamera, die zu schweben scheint? Das war 1976 und der erste Einsatz einer Steadicam. Erfunden hat sie der amerikanische Kameramann Garrett Brown, der damit die Filmästhetik für immer verändert hat.

Das Unmögliche wird möglich

Garrett Brown beginnt zu tüfteln. Seine kühne Idee: Er will eine tragbare Kamera bauen, die sich geschmeidig und flüssig bewegen lässt, auch wenn die Bewegungen des Kameramannes naturgemäss abrupt und ruckartig ausfallen. Dazu kombiniert er drei clevere Konzepte: einen federgedämpften Scherenarm, der Auf- und Abwärtsbewegungen des Kameramanns dank der Trägheit in sanfte Bewegungen abbremst, Gegengewichte zur Kamera, um schnelle horizontale Bewegungen auszugleichen und eine stabile Körperweste, um das grosse Gewicht des Apparates von den Armen auf Schultern und Wirbelsäule des Kameramannes zu verlagern.

Einige Prototypen später ist Brown am Ziel: Er hat ein Kamerasystem geschaffen, dass seine menschlichen, ruckartigen Bewegungen mit träger Eleganz in flüssig schwebende Kurven umwandelt. Und die Revolution nimmt ihren Lauf: Plötzlich werden Abfolgen und Kombinationen von Kurven möglich, die mit einem Kamera-Dolly auf Schienen nie möglich wären. Zusammen mit seiner Frau läuft Garrett tagelang durch Philadelphia und filmt bis dahin unmögliche Einstellungen. Das Ergebnis ist bahnbrechend und der Rest der Story längst Geschichte. „Rocky“ wird im darauffolgenden Frühjahr mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet und nur zwei Jahre später bekommt auch Garrett Brown für seine Erfindung den Technik-Oscar.

Legendär ist auch die Sequenz aus Stanley Kubricks Horrorfilm „The Shining". Im Schnee zwischen den hohen Hecken hätte ein Kameramann weder auf Schienen noch mit einem Kran drehen können. Garrett Brown aber konnte mit der Steadicam vorwärts und rückwärts durch das Labyrinth gehen und dabei in die Fussspuren von der Protagonisten treten, ohne eigene zu hinterlassen.

Der unermüdliche Tüftler

Garrett Browns Erfindung veränderte die Art, wie in Hollywood und auf der ganzen Welt Filme gedreht werden. Doch der heute 76 Jährige tüftelt weiter und entwickelt im Laufe der Jahre immer genialere Kamerasysteme: Die an Seilen entlangfahrende Flycam oder Spidercam, die heute in fast jedem Fussballstadion zum Einsatz kommt - ein Erfindung von Brown. Ebenso die Divecam bzw. Mobycam für durchgehende Unterwasser-Aufnahmen von Turmspringern oder Schwimmern.

„Hollywood wollte elegante Kamerabewegungen. Dazu setzte man die Kamera auf einen Schienen-Wagen, das Dolly, oder man bewegte sie an einem grossen, teuren Kran. Für mich als selbstständigen Kameramann unbezahlbar teure Technik. Also wollte ich die Kamera irgendwie vom Dolly lösen und die Bewegungen des Kameramanns von der Kamera.“


Garrett Brown

Garrett Browns Erfindung veränderte die Art, wie in Hollywood und auf der ganzen Welt Filme gedreht werden. Doch der heute 76 Jährige tüftelt weiter und entwickelt im Laufe der Jahre immer genialere Kamerasysteme: Die an Seilen entlangfahrende Flycam oder Spidercam, die heute in fast jedem Fussballstadion zum Einsatz kommt - ein Erfindung von Brown. Ebenso die Divecam bzw. Mobycam für durchgehende Unterwasser-Aufnahmen von Turmspringern oder Schwimmern.

Ohne die Pionierarbeit dieses genialen Tüftlers wäre der Weg zu heutigen tragbaren Mini-Stabilisationssystemen undenkbar gewesen. Garrett Brown hat die grundlegenden Mechanismen erfunden, die auch heute noch in jedem Kamera-Gimbal oder Schwebesystem stecken.

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